Schönheit des Betrachtens
Eine Aktstudie - Was ist "Schönheit"

Ausstellung im Kühlhaus Görlitz

In meinem Beruf bin ich regelmäßig mit der Frage konfrontiert: "Was ist Schönheit?"
Mein Körper ist mein Werkzeug, und ich muss mich damit auseinanderseitzen, wie ich mich, und wie mich andere sehen.

Meine Arbeitsfelder – Bodypainting, Fotoshooting, Aktzeichnen und -malen – zeigen mir immer wieder, wie unterschiedlich ich von KünstlerInnen gesehen werde. Jeder hat einen anderen Blick, und auch das verwendete Medium bietet viele Variationen, mich als Model und Schauspielerin darzustellen.
Es ist spannend zu beobachten, wie ich von anderen gesehen werde und wie es sich in ihren Werken widerspiegelt.
Letztes Jahr hatte ich mein erstes Aktshooting.
Es war faszinierend, wie gut mir das Bild gefallen hat, obwohl es genau den Teil meines Körpers fokussierte, der mir am wenigsten „gefällt“. Und hier entstand die Frage: Woran liegt das eigentlich?
Ich bin ja nicht anders, wo also ist der Unterschied?

Bei einer Aktzeichnung kann ich noch abstrahieren und mich distanzieren: Das Bild sagt viel mehr über den Künstler aus als über mich selbst. Doch: Wie ist das bei der Fotografie? Wo ist der Unterschied? Was ist anders?

Und weiter: Was finden wir eigentlich „schön“? Und wie definieren wir „Schönheit“?
Wenn Schönheit wirklich im Auge des Betrachters liegt, wie kann es dann ein von der Gesellschaft vorgegebenes „Schönheitsideal“ geben?
Was macht uns Schön im Auge des Betrachters? Worauf wird Wert gelegt, wenn wir einen Menschen betrachten, was springt uns ins Auge? Sind es die positiven oder negativen Dinge, die wir herausstellen, oder hat es gar nichts mit einer Bewertung zu tun, sondern das, was das Gegenüber „besonders“ macht.
Mit dieser Studie möchte ich diesen vielen Fragen auf den Grund gehen und schauen, ob es eine Antwort darauf gibt oder auch nicht.

Ein guter Freund sagte zu mir: "Du wirst etwas anderes Herausfinden als das, was du gerade erwartest."
Davon bin ich überzeugt.


Die Künstler/innen

Volker Bachschneider, Fotograf aus Görlitz website

Kiddy Citny, Künstler aus Berlin website

Frank Dobbert, Fotograf aus Dresden website

Claudia Glatz, Fotografin aus Görlitz website

Hannes Häfele, Fotograf aus Berlin website

Dimitra Stoykow, Künstler aus Görlitz website

Barbara Wegener, Model

Das Konzept

 

 

Volker Bachschneider, Fotograf aus Görlitz

Wie ist es dir in dem Raum und den Vorgaben ergangen? volker_komplett.jpg

Es war ganz schwierig durch das Licht. Ich hatte vor ins Portrait zu gehen und das erfordert Glanzlichter in den Augen und wenn die nicht da sind weil das Licht so defus ist oder du den Blick gesenkt hast bekomm ich die Glanzlichter nicht und dann wirkt das einfach tot.
Dann wirkt ein Portrait in der Regel tot. Und wichtig ist auch immer eine leichte Untersicht zu nehmen, damit das Gegenüber erhabener wirkt. Wenn ich eine Untersicht genommen habe, habe ich schnell die Lampen im Bild.

Was macht für dich ein gelingendes und "schönes" Bild aus?

Hände heben für mich das Bild. Bei Bildern die ich schön finde sind immer Hände im Bild. Ich versuche immer so zu fotografieren, dass keinerlei Aufmerksamkeit der Kamera gilt. Es sind immer die Augenblicke, wenn die Menschen ganz bei sich selber sind oder ganz in dem was sie tun, darin völlig aufgehen. Das sind für mich die schönsten Bilder. Das ist die Schönheit des Augenblicks.
Da muss nicht die Person oder der Körper schön sein. Das ist unerheblich.
Es ist ein ganz stiller Moment, wo dann der Mensch sich sehen lässt. Wenn die Person ganz bei sich ist. Dann fängt er an zu leuchten. Und dann ist es auch egal, ob das jetzt jemand ist der nach den gängigen Kriterien zwischen 18 und 26 Jahren nach den idealen Maßen "schön" ist oder eine Omi. Das ist völlig unerheblich.
Das ist ein gelingendes Bild im Gegensatz zu einem Sonnenuntergang wo dann jeder in den eigenen Erinnerungen an diesen Augenblick hängt und diese Erinnerungen kann ich nicht einfangen, weil ich nicht da war. Aber ein Bild das mich selber anrührt und das Anfängt zu klingen, das ist etwas anderes. Da muss ich nicht dabei gewesen sein, sondern das rührt mich an.

Ich fotografiere mich warm und dann komme ich in einen Modus wo alles anfängt zu klingen. Früher war es so extrem, dass ich dann wirklich Musik gehört habe im Kopf. Es muss ein Synesthetisches Erleben sein, sonst gelingt es nicht.

Was ist deine Definition von "Schönheit" ?

Das ist eine schwierige Frage. Was, wenn sich „Schönheit“ einer solchen Festlegung entzieht? Ich hatte bereits gesagt, es sei für mich etwas Ereignishaftes, das je und je gelingt.

Zunächst ist Schönheit eine Art des positiven Empfindens der sinnlichen Wahrnehmung. Insofern ereignet sie sich im Auge des Betrachters, ist augenblicklich. Daher wäre zu fragen, was den Betrachter und was das Geschehnis ausmacht.
Zumeist richtet sich jedoch der Blick schnell auf das Betrachtete. Wohnt ihm etwas inne, welches es schön sein läßt? Gibt es Merkmale oder Regeln, die die Schönheit des Betrachteten rational zugänglich werden lassen? Läßt es sich verstetigen und verallgemeinern?
Hierzu werden verschiedene Antworten gefunden. Etwa, daß sich das Betrachtete seinem Ideal nähert, daß es besonders gut zeigt, was es in sich selbst ist. Oder man findet an der Form, dem Aussehen, universelle Regeln, beispielsweise, was die Proportionen oder die Geometrie angeht.  Oder noch abstrakter werden allgemeine Kriterien gefunden, wie bei Thomas von Aquin, der meint, Reinheit / Vollkommenheit, Klarheit und Ordnung wären maßgeblich für die Schönheit der Dinge. Vieles von dem, was man so an dem Betrachteten aufzufinden meint, hat eine mehr oder weniger hohe Erklärungskraft. Ob dies jedoch notwendige oder gar zureichende Voraussetzungen sind, damit sich eine Schönheit des Betrachtens ereignet, kann aus meiner Sicht befragt werden.

Beim fotografischen Bild frage ich weniger nach Schönheit, sondern vielmehr danach, ob es ein gelingendes Bild ist.

Volker (1).jpgVolker (2).jpg
"Making of" Bilder in chronologischer Reihenfolge.

 

Kiddy Citny, Künstler aus Berlin

Wo siehst du den Vergleich oder auch Unterschied von Fotografie und Malerei?Kiddy_komplett (1).jpg

Fotografie und Aktmalerei ist 360 Grad unterschied.
Das kann man nicht vergleichen, dass kann man nur darauf runter reduzieren, dass es ja die selbe Vorlage ist, das es die selbe nackte Haut ist, der Körper. Und bei beiden Denke ich aber, dass es eine Sprache des Gefühls ist. Des Gefühls das Gesehen so zu zeichnen, so zu fotografieren wie es einen anguckt, wie es einen aufweckt.
Was der Künstler sieht muss nicht zwangsläufig das sein was das Model ist.
Es ist die Sprache von zwei Insel. Es ist im besten Falle ein Muse-Muse-Theater. Der Künstler kann nur so gut sein so gut das Model ist und umgedreht.
Mit gut meine ich ergreifend, unmittelbar, direkt. Weil wenn es nichts taugt dann spricht es keinen an. So spricht es verschiedenste Geschmäcker an, weil das Spannenste ist ja eigentlich das was man nicht sieht. Oder was man in einen Ausschnitt hinein interpretieren kann als Betrachter. Das ein Rücken viel sexier sein kann als eine platte Brust zu fotografieren, als plattes Beispiel.
Es ist ein Dialog.

Hast du wärend der Zeit auf etwas bestimmtes geachtet oder besonders Wert drauf gelegt?Kiddy_komplett (2).jpg

Mein Fokus war immer auf etwas anderes. Mal auf deine Haare, mal auf deinen Po, mal auf deine Hände, ganz viel auf dein Gesicht, so 70%. Und dann so auf alles zusammen. Aber eigentlich immer von der Anmutung der Pose ausgehend.
Mal war die Pose von den Armen gehalten, mal vom Gesicht.

Ich habe immer mehr Details gesehen. Da habe ich gedacht „so schöne lange Finger“ und dann habe ich die Finger nochmal extra nach gemalt, oder die Haare oder die Brust.
Im laufe der dreiviertelstunde habe ich immer mehr wahr genommen
 Ich habe mir eigentlich auch ganz freien Lauf gelassen, wenn ich nach einer Minute dachte es ist fertig, dann war es auch fertig. Alles andere würde verkünstelt sein, wenn man versucht ein perfektes Portrait zu machen. Jedes Portrait ist so einzigartig wie das Model ist und der Künstler ist. Es ist eine sehr einzigartige Sache.

Hast du ein Lieblingsbild?

Das Mittlere, auf dem ganz großen. Die finde ich eigentlich alle schön. Die 7 Posen auf einem.
7 Ausdrücke die doch eigentlich eins sind. Ganz einzigartig. Ganz einzigartig Barbara.

Kiddy (2).jpgKiddy (3).jpgKiddy (4).jpg1. - 3. : 5 Minuten
Kiddy (6).jpg 4. : Mittig 20 Minuten; r. und l. 1,5 Minuten
 Kiddy (5).jpgKiddy (7).jpg 5. und 6. : 20 Minuten

 

Frank Dobbert, Fotograf aus Dresden

Was war dein Leitfaden bzw. deine Vorgabe an dich selbst?frank_komplett.jpg

Nur schwarz-weiß fotogafieren. Nur ein Objektiv, keinen Zoom. Ich wollte versuchen, dass nur die Perspektive, die Pose und die kleinen Spielerei das ausdrücken sollen was ich da sehe.

Wie ist des dir damit gegangen?

Ich habe es sehr interessant gefunden nicht zu quatschen. Ich quatsche um das Model zu animieren etwas zu machen, aber du machst ja nichts. Sonst hätte ich sagen können: mach mal die Finger gerade oder wisch dir die Haarsträhne weg, aber ne die liegt da. Ist halt so, muss man mit leben und kann man auch mit leben.
Ich bin hier der Regisseur durch Perspektive. Jedoch konnte ich dich nicht drehen und habe somit auch keinen Einfluss auf's Licht. Genauso ob der Hintergrund mit passt oder nicht. Also muss ich mir etwas anderes einfallen lassen.
Ich fotografiere gerne Gesicht und Mimik, was auch ausfällt. Ich hatte Detailsshoots, habe ich aber gelöscht. Du bist Teil in dem großen Raum was ich persönlich sehr interessant fand.

Man begibt sich ein Stück weit an Grenzen. Das ist Fotografieren aus einer anderen Sicht, so fotografiert man normalerweise nicht.
Was zu einem ganz großen Teil überhaupt keine Rolle gespielt hat war, dass es Aktfotos sind. Dadurch das es diese klassischen Posen sind, ist die schwarz-weiß Arbeit sehr vorteilhaft, weil du immer mit Linien arbeitet. Du hast durch die Pose eine gewisse Haltung und eine gewisse Linienführung.

Ebenso habe ich noch nie so stark auf den Bildausschnitt geachtet. Ich baue mir sonst gerne ein bisschen Sicherheitspuffer ein, den hatte ich hier nicht.

Das Bild Nr. 5 (1. aus der 1,5 Minuten-Reihe) ist dein Lieblingsbild. Warum?

Das erzählt mir ganz viel. Das wirkt sehr stark, wie wir in uns sind, wie wir in uns aufgehen. Wie du die Idee hattest das zu machen. Du willst dich dabei auch selber finden, das ist ja nicht nur die Künstler die sich darin finden und ausprobieren, sondern du begibst dich ja auch aus deiner Komfortzone. Was man dir aber nicht anmerkt.
Es ist Absicht dass die Heizung da steht. Denn es zeigt dich verloren in einem großen kalten Raum. Diese Erinnerung habe ich, die hast du und die hat der Betrachter sicherlich nicht. Aber durch den Lüfter wird er wissen, dass es kalt war. Was ich so lustig finde, ist, dieser riesige Raum und dieser winzige Lüfter. Das ist wie „Mir ist kalt in einer Fabrikhalle – ich zünde mal eine Kerze an“.
Ich fand es in der weite des Raums schöner.
Die Linienführung, die Geometrie hat mich mehr angesprochen

Was ich bisher bei dir raus höre ist, das du versuchst ein Gefühl oder eine Atmosphäre dar zu stellen und das Bild komponierst. Das Gefühl, die Atmosphäre die du spührst wieder zu geben. Sehe ich das richtig, dass du den Fokus gar nicht auf das Gesicht, Hände, eine Form oder etwas was ich gerade „schön finde“ an dem anderen Menschen legst, sondern vielmehr auf das was man eigentlich gar nicht greifen kann?

Das ist sicherlich eine Mischung aus beiden. Ich mache gerne schöne Fotos. Ich mache gerne ästhetische Fotos. Und wenn ich in meiner Komfortzone fotografiere, dann ist das auch so. ich fotografiere selten hässliche Menschen. Ich fotografiere selten Leid, auch aus anderen Gründen, aber ich will etwas schönes zeigen. Ich möchte, dass man sich an den Bildern erfreut. Das ist hier auch so, aber was ich hier dokumentieren möchte, dass man diese Figuren und Posen sieht. Deshalb habe ich mich auch für die ganzen Bilder entschieden und keine Detailaufnahmen gemacht.

frank (1).jpgfrank (4).jpgfrank (3).jpg
1.: 2 mal 5 Minuten; 2.: 8 mal 1,5 Minuten; 3.: 2 mal 20 Minuten

 

Claudia Glatz, Fotografin aus Görlitz

Du hattest am Anfang einen Plan, wie war der?claudia_komplett (2).jpg

Mein Plan war es, anhand deiner Vorgaben, das ich das Ganze zeitlich aufgeteilt habe. 3 x 5 Minuten „Die Annäherung“: Da nehme ich dich komplett ins Bild. Nähere mich dem Thema an, nähere mich dir an.
Dann kamen die 20 Minuten Pose, die ja eigentlich für das Fotografieren sehr lang ist. Da habe ich diese Belichtungsreihe gemacht von hell nach dunkel. Also im Grunde genommen so hell, dass fast nichts mehr von dir zu sehen war und dann abgestuft über normal bis so dunkel das du nichts mehr zu sehen warst. Die kurzen Posen mit Detailaufnahmen, heißt, ich habe mir Linien gesucht und dich im Grunde genommen ein wenig zerpflückt.
Dann die letzte Pose habe ich rum experimentiert. Überwiegend mit langen Belichtungszeiten freier Hand und habe versucht Doppelbelichtungen zu machen. Möglichst in Bewegung dich zerfließen zu lasse. Dazu auch Analog (bis auf die letzte Pose).

Wie ging es dir damit?

ich wurde mit der Zeit ruhiger. Ich hatte ja vorher diesen Plan und hätte diesen vielleicht geändert, wenn ich die Posen vorher gewusst hätte. Dich mehr in Linien zerlegt.
Es war unterschiedlich vom Fokus. Am Anfang im Gesamten habe ich dich versucht neutral auf zu nehmen wie eine Statue. Wogegen ich Statue z.B. auf Friedhöfen gerne als lebendige Menschen fotografiere. Hier wollte ich dich als Statue als Ganzes und da liegt der Fokus bei mir automatischen auf dem Gesicht.
Später bei den Ausschnitten ist dein Gesicht meistens überhaupt nicht drauf. Da habe ich auf Linien geachtet, meinetwegen wo entstehen Dreiecke, in der Hüftbeuge, in der Kniebeuge und das dann kombiniert. Oder wo ein Bogen unter der Brust ist. Eher grafische Kombinationen gesucht.

Da habe ich schon schnell gemerkt: jetzt würde ich gerne Details fotografieren mit der Hand und dem Ellebogen. Aber ich hatte mir ja vorgenommen die Details bei den Kurzen zu machen.

Mit meiner Kamera kann ich keine Doppelbelichtung machen und wenn ich eine Langzeitbelichtung mache sehe ich ja nur das erste was ich ausrichte. Danach sehe ich nichts mehr durch den Sucher. Das letzte ist dann irgendwie ungefähr.

Was ist deine Definition von "Schönheit" ?

Für mich liegt die Schönheit im Detail.
Ein Bildausschnitt, eine Geste, ein Blick, ein Lächeln vielleicht - so schön :)
Details verbinden sich zu einem Ganzen, Grashalme, Augen, Lichtstrahlen... Das Licht überhaupt macht alles ganz besonders.
Ist Schönheit nur ein Augenblick?

claudia (2).jpg claudia (3).jpg  claudia (4).jpg 
1.: 2 mal 5 Minuten; 2.: 8 mal 1,5 Minuten; 3.: 1 mal 20 Minuten

claudia (1).jpg 
4. : 20 Minuten mit verschiedenen Belichtungen.

 

Hannes Häfele, Fotograf aus Berlin

Du hast zwei Blitze auf zwei Stativen im Raum aufgebaut und einmal mit und einmal ohne Blitz fotografiert. Was ist dein Gedanke dahinter?Hannes_komplett.jpg

Der Raum hat ganz ganz neutrales Licht gehabt. Und sehr weiches mit sehr vielen Lichtern, was dazu führt, das das Bild ein Stück weit sehr flach wirkt. Wenn man ein hartes Licht setz, sehr punktuell erzeugt man mehr Dramatik.
Ich wollte ein bisschen mehr, zumindest den Unterschied sehen, wenn es dann knackiger, härter wird. Was sich vielleicht davon unterscheidet, wie wenn man mit neutralen Licht eine neutrale Pose, Staute im Museum anschaut. Mit dem härteren Licht ist es mehr wie auf einer Bühne.

Verändert das die Atmosphäre und was ist das besondere an dem harten und weichen Licht?

Natürliches Licht hat immer die Atmosphäre die der Raum hat. Damit wirkt der Raum sehr stark.
Mit dem harten geblitzten Licht ist es so, dass die Konzentration viel mehr auf das Objekt gerichtet wird, also auf dich in dem Fall, und auf die Pose.
Beim natürlichen Licht kann man dich rauslöse z.B. durch die Unschärfe.
Mit dem harten Licht kann man nur ein bestimmten Teil des Körpers ablichten und das Licht richten.

Das harte Licht ist dabei ein Stück weit schwieriger, weil es verzeiht weniger. Wenn man weiches Licht hat, das verzeiht jegliche Hautunreinheiten, Falten, alles was man nicht als Allgemein Schön im Sinne von „eingänglich“ und „einfach zu konsumieren“ definieren würde.
Schön kann man ja anders definiert. Schön ist etwas das einen so sehr berührt, dass es einem sogar weh tun kann. Das wäre dann nicht leicht zu konsumieren oder zu verdauen. Und das lässt sich mit einem härteren Lichter wahrscheinlich eher erzeugen.
Das weiche Licht lässt sich anschauen, man kann gleich sagen, ja hier schöne Pose ect… aber man erzeugt keinen so großen Unterschied. Gestalterisch wird das spannender wenn man dann das Licht ersetzt und auf manche Körperteile fällt dann das Licht und auf andere wieder nicht.
Der Blick wird dann auf manche Körperteile explizit gerichtet und andere sieht man gar nicht und der Kopf muss das Bild praktisch vervollständigen.
Der Kopf muss mehr arbeiten.
Man sieht es tatsächlich in einem anderen Lichtern. Und wenn man die Dinge in einem anderen Licht sieht, sieht man es anders. Dann kann es mal bedrohlich wirken oder nicht oder geheimnisvoll.
Auf der Bühne sieht man das oft sehr schön.

In einem gleich ausgeleuchtetem Licht siehst du in deiner Pose eigentlich immer gleich aus. Natürlich gibt es dann unterschiedliche Perspektiven auf dich zu Blicken, auch unterschiedliche Objekte und Brennweiten durch die man dann schaut, aber das Licht macht keinen Unterschied. Wenn ich jetzt ein Licht setze und ich stelle mich zum Blitz ist alles flach und gleichmäßig ausgeleuchtet, stehe ich dagegen habe ich eine Silhouette. Da entstehst dann doch mehr Unterschied. Und man kann sich dem dann annähern, von welcher Seite spricht es mich am meisten an. Will ich es etwas Geheimnisvoller als Silhouette haben oder will ich praktisch das gnadenlos hartem Licht drauf. Man kann mit Licht auch etwas erschlagen. Zu viel Licht kann auch alles nehmen. Dann ist alles weiß.
Wenn etwas auf uns nicht schön wirkt kann es ach am Licht legen. Dann muss man entweder das Licht ändern oder seinen Standpunkt. Im Prinzip können wir drei Dinge verändern. Das erste ging nicht, das wäre dich. Wir könnten einfach sagen, geh mal bitte dorthin oder verändere die Pose. Oder ich wechseln als Fotograf die Position oder wir wechseln das Licht.

Hattest du ein Konzept oder einen Fokus neben dem Licht?

Ich wollte verhinder einfach nur eine veränderte Haltung abzulichten sondern schauen was für eine Aussage steckt in einer Pose. Kann man sie eher von unten oder von oben Fotografieren. Gibt es vielleicht ein Detail in einer Pose das für sie spricht oder interessant ist.
Ich dachte, bei dem Akt wäre es spannend mit Licht die Form des Körpers hervorzuheben, also mit Licht und Schatten in dem Fall.
Ich habe davor natürlich auch Respekt gehabt, besonders vor den Schatten. Man sieht die erst, wenn man das Bild gemacht hat und das dann zu verändern und man hat nur 90 Sekunden, dann geht das ganz schön schnell. Wenn man das Licht dann noch verändern will. Besonders da wir noch hart und weich Fotografiert haben entsteht schon eine Art Stress, im positiven Sinne.
Für mich gibt es folgende Aussage in der Fotografie:
So habe ich es gesehen. Die Malerei ist da anders die sagt ja nicht „so ist es gewesen“ sondern „so habe ich es mir vorgestellt“ oder „so stelle ich es mir vor“. Die Unterscheidet sich deshalb auch ganz stark von der Fotografie.
Früher wenn du ein gemaltes Bild gesehen hast, wusstest du nicht, ob es so war. Aber wenn du die Fotografie siehst, dann weißt du, ah ja so war das damals.

Aber auch die Fotografie zeigt mir doch nur das, was ich sehen soll?

Ja, so ist es im Leben ja auch. Ich kann zu dir herauf schauen oder auf dich herab schauen. Und das kannst du Fotografisch natürlich auch machen. Ich kann das Objekt der Betrachtung zerstören, z.B. hässlich darstellen oder ich kann es bewahren, fast beschützen. Also die Bildaussagen können total unterschiedlich sein vom gleichen. Was auch Interessant ist bei vielen Bilder ist die Bildunterschrift bzw. die Titel des Bildes.

Du meinst damit, wieviel Informationen ich dem Betrachter zusätzlich gebe?

Die Zusammensetzung eines Bildes läuft auf verschiedenen Ebenen. Die erste Ebene bist du, die zweite Ebene bin ich der dich betrachtet und ein Bild macht, und die dritte ist der der nachher das Bild das ich von dir gemacht habe betrachtet.
Das kann in der dritten Ebene etwas auslösen, weil die Pose den Betrachter an etwas erinnert ein Traumata oder etwas ganz schönes und dann sieht man in dem Bild was ganz anders oder empfindet das Bild anders.

Die Bilder sind links mit Blitz und rechts ohne Blitz aufgnommen. Es hängen nebeneinander die elben Posen unterschiedlich aufgenommen.Hannes (2).jpg

Hannes (1).jpg 
1.: 3 mal 5 Minuten

Hannes (3).jpgHannes (4).jpg
3. und 4.: 20 Minuten

 

Dimitar Stoykow, Künstler aus Görlitz

dimitar.jpg

Was war dein Plan und wie ging es dir damit?

Tatsächlich sehr entspannt. Ich habe mich vorher etwas eingezeichnet. Es war gut, dass wir mit den 5 Minuten angefangen habe.
Ich war auch super nervös, im Sinne von ich wusste jetzt nicht, ob ich das aufs Papier bringe oder nicht. Im Sinne von, ich bin da immer sehr vorsichtig. Ich muss sehen wie es läuft. Es gibt auch Zeichnungen die ich verreisen. Das ist nicht schlimm, dann mache ich eben die nächste. Jedoch wusste ich jetzt nicht, was  du jetzt von mir erwartest. Deshalb dachte ich mir, ich mache das jetzt einfach mit einem roten Kulli. Ich habe auch einen Haufen Zeug vorbereitet, aber so hast du jetzt eine Kulli-Session, die hast du auch nicht häufig.
Zeit steht dabei. Roter Kulli, dabei habe ich es belassen. Korrekturen sind nicht groß möglich. Ich muss es dann erfassen und drauf.
Zeichnen können heißt sehen lernen. Du musst das was du siehst im Kopf runter brechen damit du es auf's Papier kriegst. Und das übe ich. Vor einem Jahr habe ich angefangen ohne Vorzeichnung ran zu gehen. Es ist ein völlig anderes Zeichnen.

Hattest du das Gefühl, dass du auf etwas einen speziellen Fokus legst?

Ich finde, das, was ich auf das Papier bringe muss schlüssig sein. Ich bewerte zunächst, ob es schlüssig ist oder nicht und das unabhängig davon ob mir der Stil gefällt oder nicht.
Wenn mich jemand fragt, was ist das mit dem Stil, dann sage ich immer das Stil sich immer indirekt proportional zu Unvermögen entwickelt. Das heißt, wenn du etwas nicht kannst dann malst du ab. Das Unvermögen nimmt ab und der Stil zu.
Am Anfang hat man viel Unvermögen und keinen Stil und irgendwann dreht es sich. Und Stil heißt ja nicht, dass man etwas nicht zeichnen weil man es nicht kann, sondern weil man es nicht mehr braucht. Am Ende ist für mich wichtig, dass etwas schlüssiges dabei raus kommt und ich das erzähle, was ich erzählen möchte.
Eine blanke Kopie ist für mich eine reine Technikübung. Wenn man ein fotorealistisches Portrait mit Bleistift zeichnet ist das eine gute technische Übung um zu zeigen, was mit Bleistift möglich ist. Aber das heißt nicht zwangsläufig, dass es die wesentliche Ausdrucksstärke und Kraft einer Bleistiftzeichnung hat. Man münzt die Optik eines anderen Mediums einem Medium drauf, statt mit der Charakteristik des eigentlichen Mediums, in dem Fall des Bleistifts auf rohem Papier, das da zu interpretieren. Jedes Medium hat seinen eigenen Touch, seinen eigenen Charakter.
Ich probiere das immer wieder aus, aber dann bin ich mir von vornherein im klaren darüber, dass es dann nicht die Optik hat wie eine andere Technik. Das musste ich auch erst mal lernen zu sagen, das ist jetzt Kreide und dann schaust du mal wie es sich verhält.

Hast du ein Medium dass du nicht gerne nutzt?

Nein, ich probiere alles aus. Ich selber möchte mir selber keine Grenzen setzen. Am Ende entdeckt man vielleicht etwas nicht, was man sonst entdeckt hätte.

Du möchtest du einem Bilder immer was eigenes geben, wie war das bei den 20 Minuten Bildern?

Ich wollte das hier soweit wie möglich reduzieren. Erst einmal habe ich mich warm gezeichnet und dann wollte ich gucken, wie weit ichd as reduzieren kann: Ich gehe mal rein und gucke über die Proportionen, die Figur es hin zu bekommen dann trotzdem noch Aussagekräftig zu bleiben. Ich hätte es noch weiter reduzieren können und habe sehr wenige Striche benutzt. Je mehr man benutzt um so mehr kann man kaschieren. Je weniger man benutzt um so genauer müssen die Striche sein. Mir geht es um den Ausdruck der Pose. Es geht nicht um den Detailgrad, es geht um die Balance. Natürlich könnte ich das noch viel akkurater Zeichnen, aber A ist es Kulli und B sind es 5 Minuten.
Ich wollte das hier soweit wie möglich reduzieren. Erst einmal habe ich mich warm gezeichnet und dann wollte ich gucken, wie weit ichd as reduzieren kann: Ich gehe mal rein und gucke über die Proportionen, die Figur es hin zu bekommen dann trotzdem noch Aussagekräftig zu bleiben. Ich hätte es noch weiter reduzieren können und habe sehr wenige Striche benutzt. Je mehr man benutzt um so mehr kann man kaschieren. Je weniger man benutzt um so genauer müssen die Striche sein.
Mir geht es um den Ausdruck der Pose. Es geht nicht um den Detailgrad, es geht um die Balance. Natürlich könnte ich das noch viel akkurater Zeichnen, aber A ist es Kulli und B sind es 5 Minuten.
Mir waren die Proportion der Pose wichtiger, als jetzt Details zu setzen. Ich finde es ist wie wenn man aus einem Steinblock etwas raus haut. Du fängst ja nie mit dem Auge an und machst das Auge perfekt und machst dann das zweite Auge perfekt. Sondern haust erst mal die Proportion hin so wie sie sein müssen und dann kannst du dich auf die Details konzentrieren.
Und sonst hast du einen Steinblock mit einem Auge drin, aber das hat keine Aussagekraft. Wenn du es aber erst mal grob machst weiß jeder, ah das ist ein Gesicht. Und dann entfaltet es sich, man denkt sich den Rest, wenn man den Kontext kennt.

Hier ist es eine Geschichte, bzw. ein Setting das ich liefere. Ich kann sagen, das sind Zweige und da wächst was und die Haare sind etwas mehr. Alles etwas runter gebrochen. Damit ist es was eigenes. Die Pose hast du mir geliefert und ich habe dann gesagt ich mache das so und das Setting geliefert.
Die Überlegung war, das ich das jetzt durchziehe mit dem Kugelschreiber, aber der ist nicht fein genug für Feinarbeiten, also bleibe ich dann in dem etwas gröberem Stil. Aber was mache ich dann in den 20 Minuten? Das hatte ich nach 5 Minuten fertig und dann habe ich angefangen mit den Haaren. Ich habe das 3D Model gesetzt und jetzt fange ich an die Textur drauf zu zimmern. Dann mache ich etwas womit ich mich wohl fühle und du warst ja eh nackt, dass heißt, das passte ganz gut mit dem Wald.
Mit meiner Datenbank im Kopf braucheich keinen Ast um einen Ast zu zeichnen.
Es ist überhaupt nicht fein gezeichnet, aber trotzdem bekomme ich dieses Setting.
Ich mag narrativ sein.
Zeichne ich das Gesicht schön oder lege ich es in den Schatten? Aber ich wollte ja den Kontext haben und nicht den Fokus auf dem Gesicht. Und dann war es eine Bauch Entscheidung. Ich kann dir noch nicht mal erklären warum.

Finde ich spannend, im Kontext der Frage „Wenn Schönheit im Auge des Betrachters liegt, wie kann man dann überhaupt ein Schönheitsideal haben?“, also eigentlich Schönheit individuell bestimmt wird.

Es gibt bestimmt Formen und Proportion die man als Gefällig betrachtet oder auch nicht. Aber das ist immer ein kultureller Kontext.
Ich sage immer Attraktiv und nicht schön.
attractive (engl.) = anziehend, reizvoll, ansprechend, reizend, verführerisch
Weil es nichts damit zu tun hat, ob das jetzt symethrisch ist oder der Norm entspricht oder dem Durchschnitt, sondern ob es mich anspricht oder nicht. Jede Person hat irgendetwas attraktives an sich.

Ich wollte dich nicht verunstalten.
Mit Verunstalten meine ich: Das die Proportionen nicht stimmen und das Bild nicht schlüssig ist. Das ist mein Problem und ich sehe das so häufig. z.B. die Schulter im Bild zu brechen oder die Person kippt. Das ärgert mich, weil ich mich dann nicht erst auf das wesentliche Konzentriert habe, sondern in den Details verloren habe. Dann funktioniert die Zeichnung nicht mehr.
Ich finde es total schön, wenn man in der Lage ist auf den Punkt zu kommunizieren.
Wenn man in der Lage ist eine Szene innerhalb von Sekunden auf das Papier zu bannen, und wenn es nur als Gedächnisstütze ist. Sie ausschmücken kann ich immer. Etwas eigenes daraus machen kann ich immer. Aber diese Pose, das finde ich eben so schick, so minimalistisch wie möglich sie einzufangen.
Ich bin Handwerker.

Ich schaue mir gerne andere Kunsthandwerke an, die immer wieder ihre Grenzen überschreiten und immer wieder was neues probieren. Ich nicht mit dem einfach zu Frieden sind was sie schon gut können, das immer wieder zu wiederholen und das perfekt zu machen.

dimitar (3).jpgdimitar (2).jpgdimitar (1).jpg
1.: 2 mal 5 Minuten; 2.: 8 mal 1,5 Minuten; 3.: 2 mal 20 Minuten

 

Barbara Wegener, Model

Wieviel Erfahrung hast du mit dem Thema "Akt" und wie ist es dir ergangen?

Aktmodel stehen ich schon länger in einigen Malschulen, das ist an sich nichts neues für mich. Was jedoch neu war, war die Aktfotografie. Besonders mich auch zu sehen.
Man könnte sagen, es ist ein Selbstschutz zu sagen, eine Aktzeichnung hat sehr wenig noch mit mir selber zu tun. Das kann ich mir angucken ohne mich selber kritisch auf dem Bild zu sehen.
Ich sage gerne und mag die Aussage, das ein Bild, egal ob Zeichnung, Malerei oder Fotografie, viel mehr über den/die Künstler/in aussagt, als über mich als Model.
Trotzdem sehe ich mich auf einer Fotografie kritisch, denn das bin nun mal ich. Das hat 100% etwas mit mir zu tun. Das ist so wie ich aussehe.
Kurz dazu, ich bin zufrieden mit meinem Aussehen, ansonsten hätte ich auch ein großes Problem mit meiner Berufswahl. Natürlich gibt es Teile an mir, die ich an mir mehr und weniger mag, bzw. sie kritischer beäuge. So bin ich generell ein sehr selbstkritischer Mensch und bin auch immer noch gespannt wohin mich dieses Projekt noch führt.
Für mich ist die Fotografie eine Herausforderung und ich muss zugeben, meiner Befürchtung entgegen, war es mir nicht unangenehm.

Entgegen der Besträubung keine Aktshootings zu machen, hatte ich dann letztes Jahr mein erstes. Mit einem Fotografen den ich auch sehr vertraue. Ich war sehr zufrieden. Das hat mich überhaupt erst auf die Idee gebracht dieses Projekt zu machen.
Er hat eine so schöne Art zu fotografieren und ich war so positiv überrascht von den Bildern, dass ich dachte "wow, es gibt auch schönen Akt" (an dieser Stelle muss ich mich entschuldigen, ich stehe der Aktfotografie extrem kritisch gegenüber) und es ist ein schöner Akt von mir selbst und dazu von dem Körperteil mit dem ich nicht so zufrieden bin.
Ich fand es faszinierend, dass mir das Bild so gut gefallen hat, obwohl genau der Teil im Fokus ist der mir persönlich gar nicht gefällt. Das hat mich auf diese Idee gebracht zu fragen, woran liegt das eigentlich. Ich bin ja nicht anders, also wo ist der Unterschied.
Genau diese Frage habe ich mir auch schon beim Bodypainting gestellt. Natürlich lässt sich durch Schatten und Farbe etwas mal verändern und kaschieren, aber im Grund verändert sich ja meine Form nicht, also warum fühle ich mich damit besser
 Ich sage dann gerne: "I look better when I‘m painted."

Wann kannst du sagen, dass dir ein Bild gefällt?

Ich mag Bilder, wenn ich sehe da hat jemand es geschafft irgendwie einen Moment von mir einzufangen der mich als Menschen widerspiegelt.
Wo ich sage „Ja, das bin ich“ und dann ist es mir egal, ob ich gerade eine Grimasse ziehe oder ob man mich irgendwie "unvorteilhaft" fotografiert oder dergleichen. Sondern es ist einfach echt. Für mich muss ein Bild irgendwie echt sein.

Für mich haben auch Beautybilder mit einer starken Retusche eine Darseinsberechtigung. Man sollte sich nur bei der Betrachtung das immer mit vor Augen halten. Und auch hier ist mir wichtig, dass ich einen Menschen noch dahinter erkenne mit einem Ausdruck im Gesicht. Etwas das mir zeigt, dass der Mensch in dem Moment gelebt/ gedacht/ gefühlt/ gehandelt hat.

Was ist deine Definition von "Schön" ?

Ich habe lange darüber nachgedacht und ich denke mein Fazit ist:
Schön ist etwas, was mich berührt.

Dann muss ich natürlich weiter fragen, was berührt mich?
Und die Antwort ist wohl so Vielfältig wie das Leben selbst, eine Geschichte oder auch nur ein Wort, eine Situation oder auch nur ein einziger Augenblick, ein Mensch mit all seinen Ecken und Kanten oder manchmal auch nur eine Seite an jemandem.
Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch schön sein und mit seiner Einzigartigkeit berühren kann. Das Wichtigte dabei ist für mich, dass es ehrlich und wahrhaftig ist, das es von Herzen kommt.
An dem Punkt muss ich an Hannes Häfeles Worte denken, der im Interview sagte, etwas kann so schön sein das es weh tut. Ja, das denke ich auch. Schönheit kann mich so stark berühren, dass es weh tut.

Außerdem bin ich der Meinung, dass Schönheit nicht nur über den Körper definiert wird, sondern mehr über Dinge die wir eigentlich gar nicht beeinflussen können, wie das Licht, der Moment, die Situation und die Atmosphäre. Also etwas was wir im alltäglichen Leben ergreifen und verändern können.
Manchmal genügt es die Perspektive zu ändern oder das Licht, um einen neuen Blickwinkel zu bekommen und seine Meinung zu ändern. Wie man in einem Sprichwort so schön sagt: „Jemanden in einem anderen Licht sehen.“
Mir ist schon bei mir selber aufgefallen, dass ich mich gefragt habe, ob ich gerade den Menschen mag oder es der Moment ist, der diesen Menschen so besonders macht.

Kannst du deine Meinung und Gedanke Anhand der Studie fest machen ?

Alle haben sehr auf Augen und Gesicht geachtet und auf Details.
Ebenso auf meine Haare, dazu muss ich auch sagen, dass ich sehr lange und gepflegte Haare habe.
Einige sind sehr nah an mich ran gekommen, besonders um die Augen zu sehen. Der ein oder andere hat  schon vorher mich sehr genau betrachtet und hat diese Ungleichmäßigkeit in meinem Gesicht genau wahr genommen, z.B., dass ich unterschiedlich große Augen habe. Augen scheinen ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit dem was wir schön finden zu sein. Augen sind der „Spiegel der Seele“ oder wir blicken durch die Augen „in die Seele“.
Ja, ich bin davon überzeugt, dass uns die Augen sehr viel über einen Menschen verraten und das ein Blick uns sehr stark beeinflusst in dem, ob wir einem Menschen wohl gesonnen gegenüber sind oder nicht.

Ein weiterer Punkt der mir aufgefallen ist, dass einige Formen, abstrakte bzw. geometrische Formen gesucht haben. Man sagt ja gerne "Ich mag deine Ecken und Kanten". Also denke ich, spielt auch das eine Rolle in der Frage, was wir schön finden.

Was mir aus den Interviews hängen geblieben ist, war die Aussagen von einem Fotografen der meinte, er wollte etwas spannend machen. Er fand die Pose langweilig und da er sie nicht ändern durfte wollte er Spannung erzeugen. Im Grund war er auch nicht der einzige der diese Aussage macht, nur hat er sie bei einer Pose sehr explizit getroffen. Und vielleicht machen wir das auch im Alltag wenn wir etwas sehen und es ist uns zu glatt, zu gleichmäßig und zu langweilig, dass wir dann das Spannende suchen, das Interessante, das was es anders macht.
Vielleicht muss ich noch ein bisschen Näher auf die Situation eingehen. Es ging um die letzte Pose, die an sich sehr ruhig und innig war. Er wollte jedoch die kälte des Raumes und die Atmosphäre mit einfangen und mir dadurch eine Unruhe geben. Also nicht ich oder die Pose haben ihn beeinflusst und sollte das Bild schön machen, sondern die Atmosphäre des Raumes.

Dazu kommt mir dann noch die Frage, warum ist langweilig negativ? Warum das vermeidlich langweilige nicht so nehmen wie es ist, warum es ändern?

Wie erging es dir ?

Am Anfang war ich sehr aufgeregt.
Besonders weil die ganze Situation einfach sehr neu und aufregend war.

Ich kannte den Raum nicht wirklich, die meisten Künstler nicht, wusste nicht genau wie die Posen und das Setting ankommen würde. Ich fragte mich, ob die Fotografen und Künstler zurecht kommen würden und auch wirklich verstanden hatten, was ich von ihnen verlange. Natürlich war ich auch nervös, ob ich das Posing so durchhalten würde. Ob alle Posen klappen und ob ich sie so genau wiederholen kann, damit auch wirklich jeder die selbe Grundlage hat zum Arbeiten.
Völlig neu war der Abstand der Künstler. Da ich jedem frei gelassen habe, wie weit oder nah er/ sie mir kommt, musste ich auch die Nähe ertragen. Jedoch habe ich selber gemerkt, wie ich mich recht schnell dann doch bei jedem einzelnen entspannen konnte. Dazu natürlich auch einige Posen, die eher geöffnet waren, die ich zwar bewusste gewählt habe, jedoch trotzdem ein unbehagliches Gefühl auslösen je nachdem von wo aus fotografiert oder gemalt wird. Da musste ich auf die Künstler vertrauen.

Wie war es nackt zu sein, besonders, weil du meintest, dass du normalerweise Aktshootings immer verneinst ?

Ich fand es zunehmend spannender. Besonders die Unterschiedlichen Stile und Herangehensweisen zu sehen. Ich merke wie ich ein Stück weit objektiviert werde und auch für mich selber teilweise in den Posen vergessen hatte nackt zu sein. Ich dachte gar nicht mehr darüber nach und bin einfach sehr bei mir selbst geblieben.
Auch die Zeit, wenn der Fotograf/die Fotografin mich einfach nur angeguckt und gesucht und beobachtet hat fand ich eigentlich schön. Nicht daraus, dass ich es toll finde angeguckt zu werden, denn der Blick ist eher suchend, erforschend und kritisch, sondern weil es ein positives und wohlvollendes Betrachten ist.
Es hatte eine gute Atmosphäre

 Trotzdem würde ich weiterhin nur sehr ausgewählte Aktshootings machen und sonst bei der Malerei, Zeichnung oder beim plastizieren bleiben.

 

Das Konzept

3 Fotografen,1 Fotografin und 2 Künstler aus dem Bereichen Malerei und Zeichnung habe ich eingeladen sich mit mir und dem Thema zu befassen.
Mit jedem habe ich mich einzeln getroffen, um zum einen einen eventuellen Konkurrenzgedanken auszuschließen und zum anderen mich auf jeden individuell einlassen zu können. Und andersrum, die/der Teilnehmer/in sich nicht beobachtet fühlt und sich auf nur auf die Situation und mich als Model einzulassen.

Das Ganze hat unter besonderen Bedingungen statt gefunden, die ich Ihnen im folgenden erklären möchte:
Ein alter Kühlraum, im Kühlhaus Görlitz, ohne natürliche beleuchten, dass heißt künstliches Licht für eine einfache und klare Lichtgebung.
In der Mitte liegt auf einem Podest eine schwarze Decke.
Der Raum musste gut erhellt sein, damit die Künstler genug Licht zum Malen und Zeichnen haben.
Die Künstler und Fotografen durften sich frei im Raum bewegen und hatten die Möglichkeit aus jeder Perspektive zu fotografieren und zeichnen/malen.

Die Posen, welche ich vorher festlegt habe und immer gleich sind, wurden von mir für einen vorgegebenen Zeitraum gehalten und dann gewechselt:


Diese Zeiten waren für jeden Künstler und Fotografen gleich. In diesem Zeitraum musste jeweils ein Bild komplett fertiggestellt werden, für die Fotografen auch inklusive der Bearbeitung.

1. - 3. 3 Posen á 5 Minuten
4. 1 Pose á 20 Minuten
5. - 12. 8 Posen á 1,5 Minuten
13. 1 Pose á 20 Minuten

Es geht darum, dass es der Moment ist der entscheidet, was abgelichtet und gemalt wird. Dass das was gesehen wird aus dem Moment und Gefühl heraus erfasst wird. Nach der Session habe ich mit jedem Teilnehmer über Ihr/Sein Kunstwerk gesprochen und einige Frage zur Motivation und eigenen Ansicht gestellt.


Was ist deine Definition von "Schönheit" ?

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